Neugestaltung Ingolstädter Straße - Höhenverlauf Fahrbahn

 

 

Wappen Manching 2014Nach unzähligen Anfragen aus der Bürgerschaft, warum in die Ingolstädter Straße zwischen der Grundstraße und der Lindenstraße mehrere Längsgefälle (in Fahrtrichtung) eingebaut wurden, haben wir unseren Planer, Prof. Ludwig Schegk Landschaftsplaner und Stadtplaner, um  eine Stellungnahme zur fachlichen Notwendigkeit gebeten.

 

Nachfolgen die Originalstellungnahme von Prof. Schekg

 

„Sehr geehrter Herr Bürgermeister Nerb,

 

Sie haben mich gebeten, den Verlauf der Gradiente der Fahrbahn in der umgestalteten Ingolstädter Straße insbesondere im dritten und vierten Bauabschnitt näher zu erläutern. Als Gradiente wird der Höhenverlauf der Fahrbahn mit Steigungs- und Gefällestrecken bzw. den entsprechenden Wechseln bezeichnet. Bei der Projektierung der Gradiente einer Fahrbahn sind zum einen die vorgefundenen Bestandshöhen (Topographie), zum anderen die notwendigen Längs- und Querneigungen zu berücksichtigen, die nach dem technischen Regelwerk insbesondere zur geregelten Ableitung des Oberflächenwassers sowohl auf der Fahrbahn, aber auch in den angrenzenden Seitenbereichen bis zu anliegenden Gebäuden und Grundstücken erforderlich sind.

 

Dazu muss man zunächst die vorgegebene Höhensituation betrachten. Mit den Anschlusshöhen von Grundstückszufahrten, Gebäudesockeln und Eingängen ergeben sich daraus eine Vielzahl von Zwangspunkten, die bei der Neuplanung und Umgestaltung zu beachten und in den meisten Fällen nicht oder nur sehr wenig verändert werden können. Die besondere Schwierigkeit im dritten und vierten Bauabschnitt der Ingolstädter Straße besteht in diesem Zusammenhang darin, dass hier keine ‚natürliche‘ Längsneigung vorhanden ist. So beginnt der BA 3 bei Hausnummer 26 mit einer Fahrbahnhöhe in der Achse von 365.91 m.ü.N.N und endet nach ca. 180 m im Westen bei der Lindenkreuzung mit einer Höhe von 365.92 m.ü.N.N. Bis zum Ende des Vollausbaus der Fahrbahn weiter westlich bei Hs.Nr. 58 (Versicherung) steigt das Gelände auf 120 m nur unwesentlich um ca. 25 cm.

 

Im Vergleich dazu weist die Situation im ersten BA der Ingolstädter Straße einen gänzlich anderen Verlauf auf. Hier fällt das bestehende Gelände bzw. die Fahrbahn von der Hausnummer 26 nach Osten bis zur westlichen Gebäudeflucht der Sparkasse auf ca. 160 m um 135 cm (!), was ein kontinuierliches Längsgefälle der Fahrbahn von gut 0,8 % ermöglicht und damit eine ausreichende Längsneigung zur Entwässerung des Straßenraumes erreicht. Zur Brücke über die Paar steigt die Fahrbahn etwa im gleichen Maße wieder an. Ein solcher natürlicher Geländeverlauf unterstützt die die Planung einer Gradiente erheblich und wird nicht als ‚Berg- und Talbahn‘ wahrgenommen.

 

Ganz anders dagegen die Situation im westlichen Teil der Straße im BA 3 und 4. Hier muss die notwendige Längsneigung der Fahrbahn künstlich geschaffen werden, da sie vom Bestand her wie gezeigt nicht gegeben ist. Die Längsneigung ist aber zwingend erforderlich, da nur durch sie die Ableitung des Wassers über die seitlichen Rinnen zu den Straßenabläufen hin gewährleistet ist. Die in den Tiefpunkten liegenden Straßeneinläufe müssen das Oberflächenwasser (Regen- und Tauwasser) des gesamten Straßenraumes aufnehmen, d.h. neben der Fahrbahn auch das der Seitenflächen mit Geh- und Radwegen. Die Seitenflächen werden mit einer Querneigung von den Gebäuden/ Grundstücksgrenzen weg und hin zur Fahrbahn entwässert. Aus den Querneigungen der Seitenbereiche mit ihren wechselnden Breiten und Anschlusshöhen sowie den künstlich herzustellenden Neigungen in der Längsrichtung der Fahrbahn ergibt sich eine komplexe Geometrie in den Oberflächen, die sich unter den gegebenen Bedingungen in einem zwangsläufig auf- und ab pendelnden Verlauf der Rinnen widerspiegelt. Dies wird als ‚Berg- und Talbahn‘ wahrgenommen, ist letztendlich aber nicht zu vermeiden. Selbstverständlich haben wir uns bemüht, die Situation unter Wahrung der Vorgaben des technischen Regelwerkes einerseits und der Gegebenheiten vor Ort zu optimieren. Dazu haben wir zur Verkürzung der Einlaufstrecken in den Rinnen und damit gleichzeitig Dämpfung der ‚Pendelausschläge‘ die Anzahl der Straßeneinläufe über das technisch erforderliche Maß hinaus erhöht. Dies hat aber in der geschilderten komplexen Oberflächengeometrie Grenzen.

 

Ich hoffe, mit diesen Erläuterungen zum Verständnis beigetragen zu haben und stehe für Rückfragen zur Verfügung."

     

 

Mit freundlichen Grüßen  

 

Prof. Ludwig Schegk

Schegk Landschaftsarchitekten | Stadtplaner

 

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