Manching schreibt (erneut) Geschichte: Die Römer sind los

Grossansicht in neuem Fenster: Römerboot Hertrich
Foto: Daniel Hertrich

Manching im Jahre 2018 n. Chr.. In ganz Bayern sind die Römer verschwunden. In ganz Bayern? Nein!
Denn die Marktgemeinde erlebt für drei Tage eine Reise in die Zeit der alten Römer.

 

Rückblick: Sensationsfund 1986. Westlich des früheren Römerkastells Oberstimm wurden an einem Nebenfluss der Donau zwei Boote aus dem Jahr 100 n. Chr. gefunden, die zur Römerzeit für Patrouillen auf der Donau eingesetzt wurden.

Diese beiden Boote wurden bis 1994 ausgegraben und anschließend bis 2005 konserviert. Seitdem sind sie im „kelten römer museum manching“ ausgestellt.

 

Studenten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg haben gemeinsam mit dem Althistoriker Prof. Dr. Boris Dreyer genau diese alten Römerboote, die einst in Manching gefunden wurden, in nur einem Jahr nachgebaut.

 

Nun wurde in Manching schließlich erneut Geschichte geschrieben: Denn der Nachbau der „Oberstimm 2“ kehrte vom 18. bis 20. Juli 2018 an seinen Ursprung zurück.

Grossansicht in neuem Fenster: Römerboot Rudern Hertrich
        Foto: Daniel Hertrich                  

„Dieses Boot ist einmalig gut erhalten gewesen, die Buglänge fast zu einhundert Prozent. Wir konnten so einigermaßen zuverlässig das Original nachbauen. Das heißt aber nicht, dass es leicht war. Die römische Bootsbautechnik war seinerzeit das Feinste. Auch heutzutage wären römische Bootsbauer auch top,“ schilderte Prof. Dr. Boris Dreyer. „Die Römer haben das Boot nach der sogenannten Nut- und Federbauweise gebaut. In regelmäßigen Abständen sind zwischen den Planken Federn eingelassen, die dann mit Bolzen befestigt wurden. Im Unterschied dazu haben die Wikinger die Klinkerbauweise eingesetzt. Das heißt, die Planken haben sich außen überlappt,“ so Prof. Dr. Boris Dreyer.

Die Arbeit hat sich gelohnt, das Ergebnis kann sich sehen lassen: Knapp 16 Meter lang, an der breitesten Stelle 2,75 Meter breit und mit 18 Mann vollbesetzt 50 cm tief im Wasser unterwegs. Gut 30 Kilometer haben die alten Römer damit an einem Tag zurückgelegt.

 

Auf Einladung des kelten römer museums manching und des Keltisch-Römischen Freundeskreises durften die Schülerinnen und Schüler der Realschule am Keltenwall und der Mittelschule im Donaufeld am Donnerstag das Boot „entern“ und sich wie richtige römische Streitkräfte fühlen. Am Vorabend waren Sponsoren, Helfer und der Marktgemeinderat zum Testrudern eingeladen.

 

Prof. Dr. Boris Dreyer lobte die gute Vorbereitung der Schüler. Sie kannten alle Ruderbefehle, die sie im Vorfeld im Geschichtsunterricht gelernt hatten. „Das ist das Interessante an diesem Projekt: Eigentlich sind die Ruder mit ihren 15 Kilogramm doch etwas zu schwer für die im Rudern ungeübten Schülerinnen und Schüler und trotzdem hatten sie schon nach wenigen Minuten den Dreh raus. Das bringt uns zur Erkenntnis, dass auch normale Soldaten, die nicht spezialisiert sind, schnell zum Rudern abkommandiert werden konnten.“

 

Grossansicht in neuem Fenster: Römerboot Schmidtner

Höhepunkt der dreitägigen Rückkehr des Römerbootes war die Wasserung am Freitag, 20.07.2018 in der Paar, direkt an der Paarterrasse in Manching.

Dafür wurde eigens die Niederfelder Straße kurz für den Verkehr gesperrt und ein Autokran kam beim Verladen des Bootes zum Einsatz. Unter Beobachtung der Experten wurde das Schiff ganz vorsichtig und mit Fingerspitzengefühl des Kranführers ins Wasser gehoben.

 

Hier konnten sich interessierte Manchinger selbst von der Bauweise und der Stabilität des Bootes überzeugen, Fragen stellen und Geschichte hautnah erleben. Manchings 1. Bürgermeister Herbert Nerb sprach in seinem Grußwort von einem historischen Tag für die Marktgemeinde.

 

 

 

Am Nachmittag haben drei „Römer“ des Historischen Vereins Ingolstadt, ausgestattet mit Standarten und einem tragbaren Torsionsgeschütz die Besucher unterhalten. Allerdings waren diese Herren geschichtlich 300 bis 400 Jahre nach dem Nachbau der „Oberstimm 2“ einzuordnen.

 

Grossansicht in neuem Fenster: RömerschiffNach einem kurzen Besuch in Ingolstadt ist Prof. Dr. Boris Dreyer mit seinem Team zur ersten großen Reise im Römerboot aufgebrochen. Ihre Tour führt sie auf der Donau über Österreich und Ungarn nach Rumänien.

 

 

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