Erste Stadtführung in Manching

Es begann bereits dunkel zu werden, als sich die Manchinger Stadtführer auf eine Zeitreise vom Mittelalter bis in die Neuzeit begaben.

 

Zur Premiere gab es allerlei kuriose Geschichten, präsentiert vom Nachtwächter (Franz Gmelch), der mit Schlapphut und Mantel bekleidet war, ausgerüstet mit einer Hellebarde samt Horn und einer Stalllaterne. Auch seine beiden Mitstreiter, die in roter Robe gekleidete Hofdame Karin Hoppe und der nach alter Sitte mit Umhang und Federhut ausgestattete Ratsherr und Edelmann Klaus Wilhelm I, traten vor ein ausgewähltes Publikum. Bürgermeister Herbert Nerb war mit dem Gemeinderat, der die drei ersten offiziellen Stadtführer beschlossen hat, und einigen Verwaltungsangestellten gekommen, um bei der ersten Führung durch Manchings geschichtliche Vergangenheit etwas zu erfahren.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Erste Manchinger StadtführungDie drei Gestalten knüpften an die Zeit um 1886 an, als auch in Manching Männer den Gemeindewald, in dem nur mit einem Leseholzschein Äste gesammelt werden durften, überwachten. Nachtwächter sorgten damals für Sicherheit vor Feuer und für Ruhe während der Nachtstunden vor lichtscheuem Gesindel und Trunkenbolden. Damit diese nicht irgendwo einschliefen, war es laut dem Ratsherrn Klaus Pflicht, im Rundgang immer die volle Stunde anzukündigen. Neben dem Scharfrichter und dem Totengräber war der Nachtwächter, dem man Machenschaften zu den dunklen Mächten der Nacht nachsagte, ein Beruf, der in der Zunft ganz unten stand. Eindrucksvoll schmetterte bei dem zweistündigen Rundgang durch Manching, bei dem an 18 verschiedenen Stationen Sagen, Geschichten und Legenden zum Besten gegeben wurden, Manchings Nachtwächter Franz das Lied, „Liebe Leute, lasst euch sagen, die Uhr hat gerade acht geschlagen“ in die Runde. Es fehlte nur noch der unheimliche Ruf einer Eule, dann wäre die nächtliche Exkursion perfekt gewesen.

 

Witzig, schaurig-schön, aber auch nachdenklich berichteten die drei von den Römern, die im Rundschlagverfahren die in Manching ansässigen Kelten vernichteten, oder von der in einem Weiher gefundenen geheimnisvollen Glocke, die, solange diese auf dem Kirchturm läutete, nur Wohlstand brachte. Auch über den Mythos um das Irrlicht, das ein Fischer nachts auf der Paar bemerkte, und das Fischrecht, das nur die Familien Engel und Münzhuber bekamen, wussten die drei zu berichten. Das Bewandtnis mit den Riesen, die aus der Paar kamen und beim Riesenwirt zu sehen sind, das Bootsunglück von 1917, bei dem Manchinger ertranken, über das Räuberpack Gumpp und Gänswürger und Faltermeier, der Festungsanlage Fort VIII, die zu traurigem Ruhm im Zweiten Weltkrieg gelangte, wurde mit schauspielerischer Leistung und geschichtlichem Wissen dem staunenden Publikum mit einer teilweise passenden Geräuschkulisse anschaulich vermittelt.

 

Weitere Informationen und Termine sind telefonisch unter 08459 / 33 03 71 zu erfahren.

drucken nach oben